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Nur noch zwei Tage...

 

 .... dann muss ich dich, meinen Zwerg, wegbringen. Seit einer Woche weiß ich es nun sicher, und ich mag gar nicht drüber nachdenken. Noch die letzten Stunden gemeinsam genießen und etwas kuscheln, am Sonntagmorgen dann geht es los. Ich weiß dass es mir das Herz brechen wird, und dir genauso. Und ich glaube, du spürst auch schon etwas. Du bist immer sehr anhänglich, aber in den letzten Tagen magst du nicht mehr so gern spielen und kommst lieber kuscheln. Das ist sowieso das Schönste.

Noch sehr gut habe ich das Bild vor Augen, das mich damals dazu brachte, mich in in zu verlieben: ein kleines dünnes Etwas, das scheu und ängstlich auf den Boden blickt und sich am liebsten verkriechen würde. Dann hörte ich deine Geschichte und mir war klar, dass ich dir für immer ein gutes Zuhause bieten wollte. Wir haben dich besucht und du kamst sofort auf mich zu und sprangst auf meinen Schoß, obwohl du sonst vor jedem Angst hattest. Sogar an Sascha hast du vorsichtig geschnuppert, trotz deiner Panik vor Männern. Beim Abschied wolltest du mich gar nicht mehr gehen lassen - und auch mir war da schon klar, dass ich dich so bald wie möglich zu uns hole. Ich habe abgeklärt, dass ich dich mit zur Arbeit bringen darf, damit du nicht allein zuhause sein musst. Habe anfangs später angefangen zu arbeiten, damit Sascha dich dann nachmittags abholen und mit nach Hause nehmen konnte.

Du hast nach deiner schlimmen Vorgeschichte wirklich einen schwierigen Start gehabt, hast es in der ersten Zeit nicht ausgehalten, wenn du mich nicht mehr sehen konntest, ich durfte nicht in einem anderen Raum sein. Das haben wir super hinbekommen, mittlerweile bleibst du dabei zuhause ganz ruhig. Bei der Arbeit kam leider alles anders..... eines Morgens habe ich dir was von Beförderung und Versetzung erzählt, und wir fuhren woanders hin als sonst. Du kanntest es dort gar nicht. Der Geruch war dir zum Glück vertraut von der Arbeit vorher, auch die Menschen in Grün kanntest du. Jetzt waren es nur andere Menschen in den gleichen T-Shirts. Die waren alle nett zu dir. Nur an die neuen Räume hinten musstest du dich gewöhnen, und dass ich jetzt weniger Zeit mit dir verbringen konnte. Das war am Anfang nicht leicht für uns beide, aber du hast dich super daran gewöhnt und wolltest nachmittags am liebsten gar nicht mit Sascha nach Hause.

All das lief eine Weile ganz gut, ich konnte damit umgehen, dass ich keine halbe Stunde am Tag für mich hatte. Zwölf Stunden bei der Arbeit, meine Pausen habe ich mit dir verbracht, und wenn du dann zuhause warst habe ich extra rangeklotzt damit die Zeit schnell vergeht bis ich wieder bei euch sein kann. Du hast dich immer so gefreut wenn ich nach Hause kam.

Die Wohnung, in der wir gewohnt haben, war blöd. Viel zu sehr in der Stadt und viel zu laut. Und weil ich ja mittlerweile auch etwas besser verdient habe, konnten wir uns eine Wohnung leisten, die etwas weiter außerhalb lag. Da war es nur ein Katzensprung bis zum nächsten Park. Und auf dem Balkon konnte man sich stundenlang aufhalten. Nur Vogelgezwitscher und ansonsten Ruhe. Perfekt, ich hatte dich vorher nie so entspannt gesehen. Zugenommen hattest du auch mittlerweile, von 1,7 auf 2,5 Kilo. Super. Es ging dir gut, und ich wusste mit deinen Ängsten und Besonderheiten umzugehen, weil ich sie alle kannte. Mir hast du vertraut und wir haben alles zusammen durchgestanden. Ich habe Tag und Nacht dafür gesorgt, dass es dir gut geht.

Wahrscheinlich war das alles zuviel. 55-bis-60-Stunden-Woche bei der Arbeit, dann die restliche Zeit das schlechte Gewissen beruhigen indem ich Sascha und dir ganz viel Aufmerksamkeit schenke, der Umzug..... eines Tages bin ich umgekippt. Einfach so. Die Anderen haben mich gefunden und aufgeweckt. Dann haben sie mich zum Arzt geschickt, der mich erstmal krankgeschrieben hat. Er sagte etwas von Erschöpfung. Konnte ich gar nicht verstehen, außerdem wollte ich schnell wieder raus da, schließlich warst du im Auto. Zehn Minuten beim Arzt, viel zu lang. Aber du hast dich einfach gefreut als ich wiederkam.

Tja, nun hatte ich verstanden, dass es so nicht weitergeht. Habe mich dazu entschlossen, schon nach zwei Wochen wieder arbeiten zu gehen, aber weniger zu arbeiten - was eine erneute Versetzung nötig machte. Das wurde für dich der Horror. Ich musste dich hinten anbinden, weil der neue Chef es so wollte. Das kanntest du gar nicht, noch dazu die andere Umgebung, alles war eng, und ich kam kaum noch zu dir. Dementsprechend gestresst war ich dann. Konnte nachts trotz nur noch 40-Stunden-Woche nicht einschlafen, weil ich mir so viele Gedanken über alles gemacht habe. Ich wurde niemandem mehr gerecht, das nagte an mir. Der nächste Zusammenbruch kam, dieses Mal richtig heftig. Nun wurde das Wort "Burn-Out" erwähnt. Ich durfte erstmal drei Wochen nicht arbeiten. Gut, du hast dich gefreut, dass ich mehr Zeit für dich hatte. Klar. Ich hab mich darüber auch gefreut. Aber wie sollte es weitergehen? Ich mochte meine Arbeit ja. Aber nun konnte ich nichtmal in ein Geschäft gehen und einfach einkaufen, ohne vor Angst zu zittern.

Sascha hat gesagt, er möchte sein Leben nicht länger nach dir richten. Er muss jetzt ab und zu alleine mit dir ausgehen, sonntags um neun zum Beispiel. Ich gehe ja sonst immer, die erste Runde ist jeden Tag zwischen halb sechs und halb sieben, je nachdem wann du mich weckst. Aber sonntags um neun, wenn du raus möchtest, mag ich nicht. Ich mag im Moment nicht gern Leute um mich haben. Aber leider mag Sascha dich auch nicht mehr um sich haben. Er hat gesagt, er vermisst unser altes Leben, da sind wir öfter mal für ein Wochenende weggefahren oder waren beim Fußball oder in einem Zoo oder sowas. Das geht alles nicht mehr. Er kommt auch gar nicht mehr runter und kann einfach nicht mehr, sagt er. Wir streiten wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Was soll ich nun machen? Ich will euch doch beide behalten! Ich liebe euch doch beide!

Vielleicht bräuchte ich einfach einen Job, bei dem ich dich dabei haben kann und du kannst einfach die ganze Zeit im gleichen Raum sein. Dann bist du ja immer total ruhig und entspannt. Aber wie soll ich so einen Job finden? Du bist zwar nur ein Winzling der kaum auffältt und außerdem freundlich zu allem und jedem, aber leider ist es schier unmöglich, eine Arbeitsstelle zu finden, bei der ich dich mitnehmen könnte....

Wir genießen jetzt noch die letzten Stunden zusammen. Mir laufen Tränen übers Gesicht, und du bist immer sofort zu Stelle um sie zu trocknen.

Mach's gut, mein kleiner Gizmo, ich werde dich niemals vergessen. Ich hoffe so sehr, dass es dir in deinem neuen Zuhause allerbestens ergehen wird, und ich weiß, dass ich dich jeden Tag meines Lebens vermissen werde. 

5.6.15 12:41
 
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